KRANKENFAHRTEN

 

Als Krankenfahrt bezeichnet man die aus gesundheitlichen Gründen notwendige Patientenbeförderung. Um sie von „qualifizierten” Krankentransporten abzugrenzen, wird diese auch „nicht qualifizierter“ Krankentransport genannt.

Im Unterschied zu qualifizierten bedarf der zu transportierende Patient bei nicht qualifizierten Krankentransporten während des Transportes weder einer medizinischen Betreuung (Sanitäter) noch der medizinischen Ausstattung eines Krankenkraftwagens.

Ist ein Patient nicht gehfähig (zum Beispiel aufgrund einer vorhandenen Grunderkrankung), so muss der Transport sitzend in einem Tragestuhl oder Rollstuhl durchgeführt werden.

Hierfür ist - bei einer sonst nicht notwendigen medizinischen Betreuung während des Transportes - der Krankenfahrdienst das Transportmittel der Wahl.

Der Patientenfahrdienst ist im Gegensatz zum Krankentransport kein Teil des Rettungsdienstes. Die Anbieter von Fahrdiensten müssen daher nicht die (medizinischen) Auflagen des Rettungsdienstes erfüllen.

Diese Dienstleistung fällt viel mehr in den Bereich des regulären Personentransports und der Behindertenfahrdienste.


Nähere Infos zum Thema Patientenfahrdienst finden Sie bei Wikipedia.


GESETZLICHE REGELUNG

Die hier enthaltenen Informationen beruhen auf den aktuell vorliegenden Erkenntnissen. Sie erheben allerdings keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit und Rechtssicherheit. Insbesondere bieten diese Informationen keine Rechtsgrundlage für Haftungsansprüche gegen den Herausgeber.

Für Ihre bessere Übersicht, finden Sie die wichtigsten Punkte zu Krankenfahrten unter den verschiedenen Themenbereichen.

Allgemein werden Fahrkosten durch die Krankenkassen unterschieden zwischen „Generelle Zulässigkeit“ und „Ausnahmsweise Zulässigkeit“.

Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir keine planbaren Patientenbeförderungen durchführen können, wenn keine gültige Original Verordnung nach Muster 4 und die dazugehörige Kostenübernahmeerklärung der folgenden Krankenkasse vorliegen: AOK / BKK / Knappschaft


Bei Fahrten zu stationären Vorsorge- und Rehabilitationskuren haben Sie grundsätzlich einen Anspruch auf Übernahme der Reisekosten. Bitte informieren Sie sich vor Beginn einer solchen Maßnahme bei Ihrer Krankenkasse vor Ort über die Kostenübernahme.

 

GRUNDSÄTZLICH GILT

  • Grundsätzlich übernimmt Ihre Krankenkasse die Fahrkosten, wenn Sie zu oder von einer stationären Behandlung befördert werden müssen. 
  • Bei medizinisch notwendigen Beförderungen ist immer eine ärztliche Verordnung nach Muster 4 (Krankentransportschein) in Original erforderlich.
  • Alle planbaren Patientenfahrten müssen im Voraus immer von der Krankenkasse genehmigt werden.
  • Planbare Beförderungen zur ambulanten Behandlung können nur in Ausnahmefällen erstattet werden.
  • Die gesetzliche Zuzahlung ist nach § 61 SGB V zu leisten, wenn über die gesetzliche Krankenversicherung bezahlt wird.

 

Zusammenfassung:

- jede Krankenfahrt, bei der eine gesetzliche Krankenkasse der Kostenträger ist, unabhängig vom Grad der Behinderung, der Pflegestufe oder Alter des Patienten (Kinder), muss von der Krankenkasse genehmigt werden. Ausnahmen für die keine Bewilligung der gesetzlichen Krankenkassen erforderlich ist, sind Fahrten zu oder von ambulanten OPs und den notwendigen Nachuntersuchungen, sowie Fahrten mit Einweisung oder Entlassung aus stationärer Behandlung und den notwendigen Nachuntersuchungen im Krankenhaus.


Bei ambulanten Fahrten ohne Bewilligung der Krankenkasse zum Arzt, zur Notaufnahme oder zum Krankenhaus muss der Patient die Kosten der Fahrt(en) zuerst vorstrecken und die Belege mit dem Transportschein der Kasse einreichen. Bewilligung zu ambulanten Behandlungen werden von der Wohnung / dem Aufenthaltsort zum behandelnden Arzt erteilt. Sucht der Patient einen anderen Arzt mit gleicher Adresse (Ärztehaus) auf, wird hierfür eine zusätzliche Bewilligung gefordert. Wenn Sie eine generelle Bewilligung der gesetzlichen Krankenkasse zu allen ambulanten Behandlungen haben, reicht der vom Arzt ausgestellte TP zur Abrechnung mit der Krankenkasse.

VEORDNUNG

Grundsätzlich ist die Ärztliche Verordnung nach Muster 4 und der dazugehörigen Fahrkostenübernahme (Genehmigung) in Original an den Fahrdienst (Fahrpersonal) auszuhändigen.


Die Beförderung muss im Zusammenhang mit einer Krankenkassenleistung zwingend medizinisch notwendig sein.


Folgende Angaben müssen auf der Verordnung Vermerkt sein:


  • Angabe der zwingenden medizinischen Notwendigkeit auf der Verordnung
  • Notwendigkeit der – auf dem direkten Weg zu erfolgenden – Beförderung ist gesondert für Hin- und Rückfahrt zu begründen
  • Sofern keine medizinischen Gründe entgegenstehen, ist eine Sammelfahrt unter Angabe der Patientenzahl zu verordnen, wenn mehrere Patienten zum gleichen Ziel zu fahren sind 
  • Ggf. muss auch die Wartezeit angekreuzt sein
  • Beförderungsart (Muster als pdf folgt)
  • Behandlungsfrequenz und Behandlungsdauer
  • Arztstempel und Unterschrift
  • Jede Änderung auf der Verordnung muss gesondert vom Arzt durch einen Stempel bestätigt sein.  

 

Die Ärztliche Verordnung nach Muster 4 ist grundsätzlich vom Versicherten zu unterzeichnen. Ausnahme, Angehörige oder gesetzliche Betreuer des Versicherten.


Wenn die Abholadresse und Zieladresse barrierefrei ist, benötigen Sie einen Transportschein wie folgt:

(Muster als pdf folgt)


Wenn bei der Abholadresse oder Zieladresse Stufen oder Etagen zu überwinden sind, benötigen Sie einen Transportschein wie folgt:

(Muster als pdf folgt)

GENERELLE ZULÄSSIGKEIT

Generelle Zulässigkeit


- ohne vorherige Genehmigung durch Krankenkasse:


a) Fahrten zu Krankenkassenleistungen, die stationär erbracht werden; (Krankenhaus- Einweisung & Krankenhaus- Entlassung)


b) Fahrten zu einer vor- oder nachstationären Behandlung (im Krankenhaus) gemäß § 115 a SGB V (muss unter Angabe der Behandlungsdaten unbedingt auf Muster 4 angekreuzt ein)


Allgemeine Voraussetzung: Verkürzung oder Vermeidung einer voll- oder teilstationären Krankenhausbehandlung, wobei eine vorstationäre Behandlung im Regelfall auf längstens drei Behandlungstage innerhalb von fünf Tagen vor Beginn der stationären Behandlung begrenzt ist und die nachstationäre Behandlung sieben Behandlungstage innerhalb von 14 Tagen (Ausnahme: drei Monate bei Organübertragungen) nach Beendigung der stationären Krankenhausbehandlung nicht überschreiten darf.


c) Fahrten zu einer ambulanten Operation im Krankenhaus oder in Vertragsarztpraxis gemäß § 115 b SGB V sowie zu Vor- und Nachbehandlung dieser OP (muss unter Angabe des OP-Datums unbedingt auf Muster 4 angekreuzt sein).


Bei den Fallgruppen b) und c) ist die Zuzahlung nur für die erste und letzte Fahrt zu leisten (lt. Krankenkassen-Spitzenverbandsvereinbarung vom 26.11.2003).

AUSNAHMSWEISE ZULÄSSIGKEIT

Ausnahmsweise Zulässigkeit


- bei folgenden ambulanten Behandlungen


1. Gruppe:
Der Patient wird mit einem grunderkrankungsbedingten Therapieschema behandelt, das eine hohe Behandlungsfrequenz über einen längeren Zeitraum aufweist und die Behandlung selbst oder der Krankheitsverlauf beeinträchtigen den Patienten so, dass eine Beförderung zur Verhinderung von Lebens- und Gesundheitsgefahren unerlässlich ist.


Diese Voraussetzungen sind in der Regel erfüllt bei
- Fahrten zur Dialysebehandlung
- Fahrten zur Strahlentherapie
- Fahrten zur Chemotherapie.


Auch andere Grunderkrankungen können unter diese Regelung fallen (Bspe.: MS-Patienten, Schlaganfall, Parkinson, chronische Wirbelsäulenschäden usw.)


2. Gruppe:
Der Patient ist mobilitätseingeschränkt und legt einen Schwerbehindertenausweis mit den Merkzeichen „aG“, „Bl“ oder „H“ oder einen Einstufungsbescheid der Pflegegrade vor.


3. Gruppe:
Gleichgestellt der 2. Gruppe sind Patienten – auch ohne Besitz eines entsprechenden Schwerbehindertenausweises oder Einstufungsbescheides –, die vergleichbar mobilitätsbeeinträchtigt sind und einer längeren ambulanten Behandlung bedürfen.


So gut wie immer gilt hier: vorherige Genehmigung der Krankenkasse erforderlich.


Ausnahme von der vorherigen Genehmigung


- durch die Krankenkasse:


Hinsichtlich sog. nicht planbarer Patientenfahrten, also solcher, die wegen akuter Erkrankung notwendig werden, bei denen aber eine vorherige Genehmigung wegen nicht geöffneter Kassen-Geschäftsstellen (am Wochenende oder nachts!) gar nicht zu erhalten ist, existiert ein Beschluss der Spitzenverbände der Krankenkassen, dass die Genehmigung im Einzelfall auch nachträglich eingeholt werden kann. Berufen Sie sich - auch und gerade für die Vergangenheit – auf diesen Beschluss!


Ärztliche Verordnungen sind der Krankenkasse mit dem Genehmigungsantrag frühzeitig vorzulegen. Die Krankenkasse legt Dauer, Art des Beförderungsmittels, Geltung für Hin- und/oder Rückfahrt fest.


Versicherte mit einem Schwerbehindertenausweis mit den Merkzeichen „aG“, „Bl“ oder „H“ oder der Einstufung in die Pflegestufen 2 oder 3 müssen vor der ersten Fahrt eine Genehmigung beantragen. Diese wird in der Regel für die Dauer der Gültigkeit des Schwerbehindertenausweises bzw. des Pflegestufenbescheides erteilt und gilt dann für alle vom Arzt als medizinisch notwendig verordneten Fahrten. Weisen Sie ggf. Ihre Patienten, deren Angehörige, Betreuer oder die Altersheime darauf hin.

GESETZLICHER EIGENANTEIL

Grundsätzliche Zuzahlungsregelung:


Der Patient hat je Fahrt 10% der Beförderungskosten einer verordneten (bei einer genehmigungspflichtigen und genehmigten) Beförderung – mindestens 5 Euro und höchstens 10 Euro – zu entrichten. Kostet die Fahrt weniger als 5 Euro, ist der Fahrpreis zu zahlen.


Die Zuzahlung ist grundsätzlich beim Fahrpersonal zu bezahlen, wenn keine gültige Zuzahlungsbefreiung für den Versicherten vorgelegt werden kann.


Die Zuzahlung ist je Fahrtstrecke zu zahlen, unabhängig ob der Fahrdienst beide Fahrtstrecken oder nur eine mit Wartezeit vertraglich abrechnen kann! Die Wartezeit im letzteren Fall wird dabei der Rückfahrt zugerechnet.


Infos zur Belastungsgrenze:


- Grundsatz: 2% der jährlichen Bruttoeinnahmen zum Lebensunterhalt.
- Ausnahme: 1% der jährlichen Bruttoeinnahmen zum Lebensunterhalt bei chronisch Kranken, die wegen derselben Krankheit in Dauerbehandlung sind.


Überschreiten der Belastungsgrenze: Patienten, die ihre persönliche Belastungsgrenze erreichen, werden auf Antrag für den Rest des Kalenderjahres von weiteren Zuzahlungen von der Krankenkasse freigestellt. Die Krankenkasse ist verpflichtet, dann eine entsprechende Bescheinigung über das Überschreiten der Belastungsgrenze zu erteilen. Für die Belastungsgrenze sind alle Zuzahlungen, also nicht mehr nur wie bisher die für Arznei- und Verbandsmittel, Fahrkosten und Heilmittel, sondern auch bspw. die Zuzahlungen im Krankenhaus, bei stationären 3 Vorsorge- und Reha-Leistungen sowie weitere Hilfsmittel, die bisher unberücksichtigt blieben, einzubeziehen.
Viele Krankenkassen bieten die Möglichkeit, die Zuzahlungsbefreiung durch Vorabzahlung der 1%- oder 2%-Belastungsgrenze schon im Voraus zu erhalten.


Für die Berechnung der Belastungsgrenze ist zu beachten:


- Für den ersten im gemeinsamen Haushalt lebenden Familienangehörigen/Lebenspartner vermindern sich die Bruttoeinnahmen in 2017 um 5.355 Euro, für jeden weiteren um 3.570 Euro.
- Davon existiert wiederum eine Ausnahme bei eigenen Kindern des Patienten oder Kindern des Lebenspartners. Die Konsequenzen daraus sollten aber wegen der Schwierigkeit der Berechnung direkt bei Ihrer Krankenkasse erfragt werden.
- Beschädigten-Grundrenten nach Bundesversorgungsgesetz u.Ä. werden nicht angerechnet.
- Für Patienten, die Hilfe zum Lebensunterhalt nach dem Sozialgesetzbuch XII oder im Rahmen der Kriegsopferfürsorge nach dem Bundesversorgungs-gesetz, Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts nach dem Sozialgesetzbuch II (Grundsicherung für Arbeitsuchende) oder Ausbildungsförderung erhalten oder wenn die Kosten der Unterbringung in einem Heim oder einer ähnlichen Einrichtung von einem Träger der Sozialhilfe oder der Kriegsopferfürsorge getragen werden, ist der sog. Regelsatz für Haushaltsvorstände für die Berechnung der Bruttoeinnahmen maßgeblich.


Wegen der Schwierigkeit der Berechnung ist zwingend die Beratung bei der Krankenkasse zu empfehlen, die eine theoretische Berechnung durchzuführen hat.


KOSTENTRÄGER
UNFALLKASSE, BERUFSGENOSSENSCHAFTEN

 

  • Ärztliche Verordnung bzw. Verordnung der Schule ist erforderlich
  • Keine vorherige Genehmigung notwendig
  • Es ist kein Eigenanteil zu zahlen