Menschen, die weder Arme noch Beine bewegen können, haben leider nur sehr wenige Möglichkeiten sich ohne Hilfe mit einem Rollstuhl zu bewegen. Für diese Patientengruppe wird gerade eine Schnittstelle entwickelt, mit der man Steuersignale an den Rollstuhl über die Ohren weitergeben kann. Nicht nur diejenigen, die mit den Ohren wackeln können, werden hier leichtes Spiel haben. Tatsächlich kann jeder die entsprechenden Gesichtsmuskeln willentlich steuern.
An der neuen Schnittstelle arbeiten Wissenschaftler aus Heidelberg, Göttingen und Karlsruhe. Sie verfolgen das Ziel, ein Meßsystem zu konstruieren, mit denen sich die durch die Bewegungen der Ohrmuskeln ausgelösten elektromagnetischen Signale registrieren und in Steuersignale umwandeln lassen. Die Technik dahinter nennen die Forscher „Telmyos“. Die Abkürzung steht für „telemetrisches myoelektrisches Ohrmuskelableitsystem“. Ein kleiner Chip hinter dem Ohr soll das Auslesen und die Verarbeitung der Signale übernehme. Auf diese Weise sollen auch hoch Querschnittsgelähmte in die Lage versetzt werden, ihren elektrischen Rollstuhl selbst steuern zu können. Ein wichtiger Forschungsschwerpunkt liegt dabei auf dem Erlernen der neuer Steuerbewegungen. Um wirklich alltagstauglich zu sein, muß das Lernen so einfach sein, daß mit der Zeit eine intuitive Steuerung des Rollstuhl möglich ist. Wenn zuviel Konzentration nötig ist, wäre das Einsatzgebiet stark eingeschränkt.
Sollte sich das Konzept bei der Steuerung von Rollstühlen bewähren, soll in einem nächsten Entwicklungsschritt das Einsatzgebiet auf andere Prothesen erweitert werden. Langfristig wäre dann zum Beispiel auch das Steuern von Armprothesen denkbar. Hier entsteht also ein sehr langfristiges Forschungsprojekt, daß einen hohen Aufwand erfordert, aber äußerst Aussichtsreich ist. Nicht nur deshalb wird das Projekt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit 810.000 € unterstützt.
